Exkursion Gewi 9

von Frau Lindig

Besuch der Jugendstrafanstalt Arnstadt

Am Donnerstag, den 09.06.2016, besuchte der Kurs Gesellschaftswissenschaften der 9. Klassen des Friedrich Schillergymnasiums Eisenberg im Rahmen des Projekts „Jugendkriminalität in Thüringen“ die Jugendstrafanstalt Arnstadt. Innerhalb des Projektunterrichts hatten wir auch schon die Jugendstation und das Justizzentrum in Gera besucht. Des Weiteren erfolgten Gespräche mit einem Jugendrichter und mit Bediensteten des Strafvollzuges. Außerdem konzipierte der Kurs im Vorfeld eine Ausstellung zum Thema „Jugendkriminalität“, welche auch am „Tag der offenen Tür“ des FSG den Besuchern präsentiert wurde. Während der ganzen Zeit wurde das Projekt durch Herrn Pein vom Verein für Rechtspflege, Kunst und Kultur e.V. aus Gera begleitet.

8:00 Uhr begann die Exkursion in Eisenberg mit 22 Schülern und 2 Lehrern. Nach der Ankunft des Busses und der Begrüßung durch Herrn Kirchner als Vertreter der Anstaltsleitung, wurden als erstes die Mobiltelefone und Personalausweise der Schüler und Lehrer eingesammelt. Nachdem der Bus durch die Fahrzeugschleuse hindurch gefahren war, ging es nach einer kurzen Einweisung bzw. Belehrung los. Es war ein eindrucksvoller aber auch beängstigender Moment hinter 2 hohen Zäunen und einer 6m hohen Mauer zu stehen. Zuerst sahen wir uns den Besucherraum an, wobei uns viele Fragen beantwortet wurden. Dieser Raum wird genutzt, um den Jugendlichen ihre sozialen Kontakte zu ermöglichen oder zu pflegen, auch innerhalb des Gefängnisses. Ein Häftling darf im Monat 4 Stunden Besuch erhalten, allerdings müssen die Besuchszeiten auf mindestens 2 malig 2 Stunden aufgeteilt werden. Der Besuch verläuft in einem Gemeinschaftsbesucherraum ab, solange sich die Gefangenen an die Regeln halten. Sollte dies nicht der Fall sein findet ein Einzelbesuch statt, wobei ein Beamter direkt dabei ist. Sollte diese Maßnahme nicht helfen, dürfen sich der Gefangene und der Besuch nur durch ein Mikrofon unterhalten, wobei eine Scheibe zwischen den Personen ist. Zur Zeit befinden sich in der Jugendstrafanstalt junge Erwachsene bis 27 Jahre. In der Regel werden nur Straftäter bis 24 Jahren aufgenommen. Allerdings ist das Gefängnis nicht voll belegt, weshalb auch junge Erwachsene bis 27 Jahre hinzugekommen sind. Im Moment sind 200 Inhaftierte in der Strafanstalt, wobei sie eine Aufnahmekapazität von 280 Personen hätten. Die gesamte Fläche des Geländes beträgt 15 Hektar. Es stehen 4 Hafthäuser mit jeweils 70 Personen auf dem Gelände. Jedes Hafthaus hat einen eigenen Freihof und besteht aus 3 Wohngruppen. In den Wohngruppen gibt es außer den Einzelzellen jeweils eine Doppelzelle, welche für Personen vorgesehen ist, die alleine nicht klar kommen würden. Das gesamte Gelände ist von Kameras überwacht, welche sich um 360° drehen, sodass das gesamte Gelände kontrolliert werden kann. Die Inhaftierten haben eine Ausgangszeit von einer Stunde. Im Sommer wird diese Zeit auf 2 Stunden verlängert, wobei der Ausgang nicht Pflicht ist. Die Jugendstrafanstalt ist sehr modern, hell und freundlich gestaltet. Das Gefängnis bietet viele Freizeit- und Sportangebote. Auf dem Gelände befinden sich eine Kirche, in der Gottesdienste aller Religionen gehalten werden, eine Bibliothek und weitere Freizeitangebote. Es werden Wettkämpfe durchgeführt, Migrationskurse und verschiedene Musikkurse angeboten. Durch Migrationskurse erlernen ausländische Häftlinge die Lebensweise der deutschen Kultur und ihnen wird so eine Integration ermöglicht. Es gibt 11 Werkstätten, 1 Sportplatz und eine Sporthalle. Es sind derzeitig ca. 150 Personen angestellt, bei denen die Aufgabenbereiche unterschiedlich sind. Es geht von Justizvollzugsangestellten bis hin zu Psychologen. Nicht jeder Jugendliche der eine Straftat begangen hat, kommt sofort in eine Jugendstrafanstalt. Es gibt verschiedene Maßnahmen die getroffen werden bevor ein Jugendlicher oder junger Erwachsener in eine solche Anstalt verwiesen wird. Die Häftlinge haben die Möglichkeit verschiedene Berufe auszuprobieren (Berufsorientierung) und sich anschließend zu entscheiden welche Ausbildung sie durchführen möchten. Es gibt viele verschiedene Berufe von Holztechnik über Maschinen- und Anlagenführer bis zum Garten- und Landschaftsbau, sodass für jeden Jugendlichen die Interessen vertreten sind. Die Häftlinge haben somit eine Perspektive für die Zeit nach ihrer Entlassung, um nicht wieder in die alte Umgebung zu gelangen und eventuell straffällig zu werden. Allerdings werden 75% der Häftlinge nach ihrer Entlassung aus der Strafanstalt wieder straffällig. Da es viele Straftäter ohne Schulabschluss gibt, besteht im Gefängnis ebenfalls die Möglichkeit einen Hauptschulabschluss zu machen. Die Ausbildungsberufe sind marktwirtschaftlich orientiert und zeitlich und inhaltlich auf die Ausbildungsberufe außerhalb des Gefängnisses angeglichen. Somit verbringen die Personen ihre Zeit nicht sinnlos in der Jugendstrafanstalt. Des Weiteren wird sehr großer Wert auf einen geregelten Tagesablauf gelegt, was ebenfalls mit der Ausbildung erreicht wird. Die Klassenstärke beträgt im Durchschnitt 6 Teilnehmer, was den Lehrern einen individuellen Einfluss ermöglicht. Die Inhaftierten verdienen durch ihre Ausbildung Geld, somit haben sie die Möglichkeit 2 mal monatlich in einem Laden einzukaufen oder verschiedene Fernsehprogramme dazu zu buchen und viele andere Möglichkeiten um den Alltag etwas schöner zu gestalten. Dadurch motivieren sich die meisten Gefangenen eine Ausbildung durchzuführen und eigenes Geld zu verdienen. Von dem verdienten Geld stehen 4/7 den Gefangenen selbst zur Verfügung und 3/7 werden angespart, sodass den Jugendlichen bei ihrer Entlassung Geld zur Verfügung steht. Im Falle von Schulden wird dieses Geld auch genutzt, um diese zu begleichen. Begeht ein Häftling eine Straftat kommt es zwangsläufig zu einer Anzeige. Die körperliche Darstellung und psychische Stärke im Gefängnis ist sehr wichtig, wobei Sexualstraftäter den untersten Rang haben und von Mitgefangenen sehr verachtet werden. Bei unserer Führung hatten wir die Möglichkeit uns für eine kurze Zeit in eine Einzelzelle einsperren zu lassen. Es war einsam und beängstigend zu wissen, dass die Häftlinge ihren ganzen Tag in dieser kleinen Zelle verbringen. Der Tag war sehr bewegend und veranschaulichte uns, wie wichtig ein gutes Umfeld und eine intakte Familie ist, um nicht straffällig zu werden. Es hat uns sehr zum Nachdenken angeregt und es war interessant diese Erfahrung zu machen. Am Ende des Tages waren wir sehr froh wieder in „Freiheit“ zu sein.

Wir bedanken uns bei allen Verantwortlichen, welche uns den Tag ermöglicht haben.

 Lea Hollstein 9a

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